
Ein Bericht von der ersten Obstwiesensaft-Aktion
Der Obstwiesensaft ist ein gemeinsames Kooperationsprojekt
der Familie Kreppold mit ihren Streuobstbeständen im Hennental bei Aichach,
der Solidarischen Landwirtschaft Blumenthal mit eigenen Obstwiesen
sowie des Montessori Wittelsbacher Land e. V., der den Obstwiesensaft langfristig als Teil eines Schulunternehmens in eine zukünftige Schule integrieren möchte.
Montagmorgen, 9 Uhr. In der Signal-Gruppe macht sich Nervosität breit:
Wo bleibt der MB-Truck mit dem Streuobst für den Obstwiesensaft?
Die Obstpresse wartet.
Bis zu diesem Moment lief eigentlich alles nach Plan. Die Flaschen waren gewaschen, das Obst gesammelt, und das Helferteam am Obsthof Mahl stand bereit. Doch die Hänger mit Äpfeln, Birnen und Quitten, die am Vortag mühsam zusammengetragen worden waren, ließen auf sich warten. Ein kurzer Moment kollektiver Anspannung – dann rollten sie endlich an.
Dass es überhaupt so weit gekommen war, glich allerdings schon im Vorfeld einem kleinen Abenteuer.
„Es war schon ein ziemlicher Husarenritt“, berichtet Kathrin Schaefer vom Biohof Blumenthal.
„Wir wollten unbedingt unsere schönen alten 1-Liter-Pfandflaschen zum Einsatz bringen. Zumal das einfach eine beliebte Verkaufsgröße ist. Aber es war unmöglich, eine Obstpresse zu finden, die uns sowohl diese Flaschen gewaschen, als auch unsere relativ kleine Menge an Obst gemust, gepresst, erhitzt und abgefüllt hätte. Und zudem gibt es kaum noch eine Kelterei, welche Flaschen mit Kronkorken verschließen kann.“
Die Lösung kam schließlich aus unerwarteter Richtung – und mit viel Solidarität.
Nicola Bott vom Montessori Wittelsbacher Land e. V. ergänzt:
„Manfred, Thomas, Olaf und Chrischl vom Boandlbräu haben es dann überhaupt erst möglich gemacht und uns in großzügigster Weise ihre Flaschenwäscherei zur Verfügung gestellt.“
In zwei Nachmittagen wurden dort rund 500 Flaschen gereinigt. Jede einzelne musste von Hand in den Korb der Spülmaschine gesteckt, wieder entnommen, nachgespült, kontrolliert und einsortiert werden. Als wäre das nicht genug, fiel kurz vor der geplanten Aktion auch noch die Flaschenspülmaschine aus.
„Wir haben dann noch verzweifelt nach Alternativen gesucht“, so Nicola Bott weiter.
„Gott sei Dank kam am Donnerstagabend von Thomas Reissner die Meldung, dass die Maschine wieder läuft. So konnten wir am Freitag tatsächlich loslegen – wie geplant.“
Ein großer Dank gilt allen Familien, die ihre Streuobstwiesen für die Aktion vorbereitet und zur Verfügung gestellt hatten: der Familie Heumader in Schönberg, Gerd Bangert in Stunzberg, der Familie Kreppold vom Biolandhof in Wilpersberg sowie der solidarischen Landwirtschaft Blumenthal mit ihren eigenen Beständen.
Am Ende übertraf das Ergebnis selbst die kühnsten Erwartungen.
Anna Kreppold vom Biolandhof Wilpersberg erzählt:
„In unserer ersten Vision vom Obstwiesensaft haben wir davon geträumt, drei Tonnen Streuobst zusammenzubekommen. Im weiteren Verlauf der Planungen haben wir dann etwas Angst vor der eigenen Courage bekommen und das Ganze auf zwei Tonnen reduziert.“
Als am Montagmorgen schließlich zwei große Hänger bei der Obstpresse vorfuhren, folgte der nächste Überraschungsmoment: Vier Tonnen Streuobst waren es geworden.
In einer konzertierten neunstündigen Aktion entstanden daraus unglaubliche 1.800 Liter Saft – Apfel-Birne und ein kleiner Teil Apfel-Birne-Quitte.
„Vielen Dank an all die ehrenamtlichen Helfer, die hier tatkräftig mitgearbeitet haben!“, so Anna Kreppold.
„Und ein großes Entschuldigung an die Privatgärtner, die am Nachmittag mit ihrem Obst auf den Hof der Mahls kamen und eigentlich im Anschluss an uns hätten pressen wollen – und dann unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren mussten.“
Um 18:30 Uhr war schließlich alles Obst verarbeitet. Die Hänger waren leer – stattdessen gefüllt mit Bags und Kisten voller frischem Obstwiesensaft.
Der Obstwiesensaft ist nun in den Hofläden der Familie Kreppold sowie der Biohofgenossenschaft Schloss Blumenthal erhältlich, vereinzelt auch in ausgewählter Gastronomie. Saft von Streuobstwiesen ist und bleibt ein Liebhaberprodukt. Selbst mit viel ehrenamtlichem Einsatz lässt er sich nur kostendeckend herstellen und verkaufen.
Der eigentliche Antrieb aller Beteiligten liegt daher woanders:
dem Kulturgut Streuobstwiese mehr Sichtbarkeit zu geben – und zu zeigen, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam anpacken.






























